Evangelischer Kirchenkreis An Sieg und Rhein

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Kirchenkampf An Sieg und Rhein

30.10.19

2. Folge: Der „Kirchenkampf“ in unserer Region und seine Besonderheiten

Präses der Rheinischen Bekenntnissynode Paul Humburg, Barmen (1878-1945)

Die Kirchenkampf-Literatur unserer Landeskirche, die von der Nachkriegszeit geprägt wurde, kann den Eindruck vermitteln, es habe (fast) nur die „Bekennende Kirche“ (BK) auf der einen Seite und die regimetreuen „Deutschen Christen“ (DC) auf der anderen Seite gegeben. Dafür stehen dann gerne die beiden hier abgebildeten Symbolfiguren: Präses Paul Humburg, Barmen, für die BK und der „Köln-Aachener Bischof“ Dr. phil. Heinrich Oberheid – Pfarrer in Asbach-Kircheib, zugleich SA-Sturmführer – für die extremen DC der Nationalkirche.

Die geschichtliche Realität sieht jedoch – auch in unserer Region – anders aus. Zunächst einmal gab es in der Rheinprovinz nicht weniger als fĂĽnf kirchenpolitische Richtungen: 

1. die radikalen „Thüringer“ Nationalkirchler mit Oberheid-Asbach an der Spitze; die meisten verließen jedoch um 1937 das Rheinland meist in Richtung Eisenach – in Seelscheid war es z.B. Pfr. Heinrich Weinmann, der sich dort aber nur bis 1932 halten konnte.

2. die „gewöhnlichen“ staatstreuen DC, Gewinner der Kirchenwahlen 1933 und dann am Ende des Jahres nach der „Sportpalastrede“ Dr. Reinhold Krauses innerkirchlich stark in Misskredit geraten; darunter waren besonders viele konservative Presbyter. Manchenorts wie in Ruppichteroth trat das Presbyterium samt Pfarrer Anfang 1933 ein und Ende 1933 gemeinsam wieder aus; andere Pfarrer erscheinen nur auf der Mitgliederliste, behielten aber eine „saubere“ Personalakte und bleiben darum hier ungenannt.

3. die Pfarrer der „Mitte“, wie sie sich selbst, oder die „Neutralen“, wie andere sie abwertend nannten: Für sie war die ungetrübte Einheit der Gemeinde oberstes Ziel. Beispiele sind Hermann Rehmann in Ruppichteroth oder Karl Theiß in Troisdorf.

4. die gemäßigten, kompromissbereiten BK-Vertreter, die aber im Verlauf der Vorkriegszeit stark an Einfluss verloren – eher im nördlichen Rheinland zu finden.

5. die kämpferischen und risikobereiten BK-Theologen, die „Dahlemiten“, in unserem Raum bemerkenswert zahlreich vertreten – wie sie im Folgenden einzeln vorgestellt werden.

Nach Quellenlage verteilten sich die 800 rheinischen aktiven Pfarrer um 1936 etwa so: 40 „Thüringer“, 100 DC, 390 BK insgesamt, somit blieben etwa 270 der neutralen „Mitte“.

Noch ein Wort zum Begriff „Kirchenkampf“: Im protestantischen Bereich hat er eine zweifache Bedeutung. Einmal innerhalb der Kirche, wo sich BK auf Bekenntnisgrundlage und DC bis hin zum Einschalten von Justiz und Gestapo erbittert bekämpften. Zweitens bezeichnet die etwa ab 1935 rasch wachsende, aber zunächst noch verdeckte Absicht der NS-Führung, beide große Kirchen zurückzudrängen und nach dem „Endsieg“ vollständig auszuschalten.

Wichtig für uns ist: Es gab nicht nur die namhaften Helden der BK wie in Barmen, sondern gerade auch hier zahlreiche Pfarrer, die für ihr Glauben und Bekennen ständig Gefahren, Denunziationen, Verhöre und erhebliche Nachteile in Kauf nehmen mussten – und es freiwillig taten.

Text: Dr. Holger Weitenhagen

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