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Endstation Hartz IV? – Freie Wohlfahrtspflege NRW kritisiert, dass Ausstieg zu selten gelingt

17.09.19

Rhein-Sieg-Kreis, 18. September 2019. Nur einer Minderheit gelingt der Ausstieg aus Hartz IV und eine Rückkehr ins normale Berufsleben. Dies zeigt der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW. Die Verbände fordern eine bessere Berücksichtigung der individuellen Situation im Vermittlungsprozess. Integrationen in Arbeit müssen nachhaltig sein, um auch die soziale Situation der Betroffenen zu stabilisieren.

Im Rhein-Sieg-Kreis gab es im Dezember 2018 25.208 Menschen, die als sogenannte erwerbsfähige Leistungsberechtigte auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen waren. Aber nur 367-mal gelang es, eine dieser Personen in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu integrieren. „Das zeigt, wie schwer es Hartz-IV-Empfänger nach wie vor haben, überhaupt wieder einen Fuß in den Arbeitsmarkt hineinzubekommen“, sagt Patrick Ehmann, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände im Rhein-Sieg-Kreis. „Und das heißt dann noch lange nicht, dass sie auf dem Arbeitsmarkt auch wirklich Fuß fassen.“

Denn viele befinden sich spätestens nach einem Jahr wieder auf Jobsuche. Laut Arbeitslosenreport waren im Rhein-Sieg-Kreis von den 361 Personen, die das Jobcenter im Dezember 2017 in sozialversicherungspflichtige Arbeit vermittelt hatte, im Dezember 2018 nur noch 238 beschäftigt (65,9 Prozent). Besonders viele, nämlich 101 sozialversicherungs-pflichtige Arbeitsverhältnisse, endeten bereits innerhalb der ersten drei Monate nach der Integration. „Es genügt nicht, Menschen kurzfristig in Arbeit zu bringen“, betont Ehmann. „Sie müssen dauerhaft in Arbeit bleiben, denn nur so wird sich auch ihre soziale Situation langfristig stabilisieren.“

Hinzu kommt, dass viele dieser Integrationen nicht einmal zu einem Ende des Hartz-IV-Bezugs führen. Im Rhein-Sieg-Kreis gelang dies nur in 48,9 Prozent der Fälle. „Langzeitarbeitslose haben es nach wie vor schwer, der Armutsfalle zu entrinnen“, sagt Ehmann. „Das liegt zum Teil daran, dass Menschen etwa aus gesundheitlichen oder familiären Gründen nur Teilzeit arbeiten können, mitunter aber auch daran, dass ein zu geringer Lohn selbst bei Vollzeitarbeit nicht zum Lebensunterhalt reicht. Schon gar nicht dürfen Hartz-IV-Bezieher im Rhein-Sieg-Kreis schief angesehen werden, wenn sie ihren Lohn noch mit Sozialleistungen aufstocken müssen.“

Um die Chance auf nachhaltige Beschäftigung zu erhöhen, sollten Arbeitsplätze und Arbeitslose gut zueinander passen. Viel zu oft werden Arbeitslose in Jobs gedrängt, die nicht ihren persönlichen Fähigkeiten und Interessen entsprechen, beobachten die Wohlfahrtsverbände im Rhein-Sieg-Kreis „Die Jobcenter sollten die Menschen dabei unterstützen, ihre gesamte berufliche und persönliche Situation realistisch einzuschätzen und individuelle Lösungswege zu finden. Bei den Trägern der Freien Wohlfahrtspflege im Rhein-Sieg-Kreis finden sie engagierte Partner, die sie bei der Wahrnehmung dieser Aufgaben unterstützen können“, schlägt Ehmann vor.

„Ein unterstützendes Coaching ist wichtig, damit Menschen der Weg aus dem Hartz-IV-Bezug in den Arbeitsmarkt gelingen kann“, resümiert Ehmann. Solche Leistungen müssen aus Sicht der Freien Wohlfahrtspflege standardmäßig zu den Angeboten des Jobcenters für Langzeitarbeitslose gehören.

Hintergrund:
Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichen mehrmals jährlich den „Arbeitslosenreport NRW“. Basis sind Daten der offiziellen Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und zur Zahl der Personen in Bedarfsgemeinschaften, um längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen. Der Arbeitslosenreport NRW sowie übersichtliche Datenblätter mit regionalen Zahlen können im Internet unter www.arbeitslosenreport-nrw.de herunter­geladen werden. Der Arbeitslosenreport NRW ist ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege NRW mit dem Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz.

In der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände im Rhein-Sieg-Kreis haben sich die Arbeiterwohlfahrt Bonn/Rhein-Sieg, der Caritasverband Rhein-Sieg, das Deutsche Rote Kreuz Rhein-Sieg, das Diakonische Werk An Sieg und Rhein und der Paritätische Wohlfahrtsverband Rhein-Sieg zusammengeschlossen. Mit ihren Einrichtungen und Diensten bieten sie eine flächendeckende Infrastruktur der Unterstützung für alle, vor allem aber für benachteiligte und hilfebedürftige Menschen an. Patrick Ehmann ist Geschäftsführer des Diakonischen Werks An Sieg und Rhein, und in den Jahren 2019 und 2020 Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände im Rhein-Sieg-Kreis.

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