Andrea Eisele Foto: Stefan Heinemann

Weiter Raum

von Anna Neumann

08.05.2026

Andrea Eisele, Leiterin der Evangelischen Erwachsenenbildung An Sieg und Rhein, scheidet altersbedingt aus. Ein Gespräch über Schätze in der Bildungsarbeit und intensive Begegnungen.


Mit welchen Erfahrungen gehen Sie fröhlich durch die Tür?

In der Bildungsarbeit bin ich richtig vielen Schätzen begegnet. In der Evangelischen Erwachsenenbildung haben wir Menschen zu Gast, die lernen wollen, die sich öffnen, die manchmal Angst vor dem Versagen haben und denen wir Mut machen dürfen, weil der Maßstab unseres Bildungsverständnisses immer der einzelne Mensch ist und nicht der Lernstoff. Zu den Schätzen zähle ich auch die Verbündeten, die ich gefunden habe: Menschen, die Lust und Zeit haben, ihr Wissen ehrenamtlich zu teilen, und Kolleg*innen, die mit mir immer wieder Neuland betreten und neue Formate und Themen erprobt haben.

Welche Herausforderungen waren durch Corona zu meistern?

Corona hat uns ins digitale Bildungszeitalter katapultiert. Die Bildungsarbeit wurde auf zwei Arten fortgeführt. In den Gemeinden sind die Kursleitenden kreativ geworden und haben versucht, in Kontakt mit den Teilnehmenden zu bleiben. Es wurde telefoniert, Briefe wurden geschrieben, Tüten mit Bastelmaterial gepackt. In der Zentrale haben wir begonnen, auch klassische Formate in den digitalen Raum zu übersetzen. Es gab die digitale Plauderstunde, angeleitet von ehrenamtlichen Kursleitenden. Wir haben kleine niedrigschwellige Lernfilme hergestellt, um den Menschen den Zugang zum digitalen Raum über ihre Tablets und Smartphones zu ermöglichen. Es gab digitale Bastelanleitungsstunden für Familien und vor allem wurde der Kontaktraum groß, wenn es um Vorträge zu unseren Themen aus Gesellschaft, Politik und Theologie ging. Mit spannenden neuen Formaten und Kooperationen haben wir unsere Bildungsarbeit in einen weiten Raum tragen können.

Inwiefern ist die Digitalisierung geblieben?

Heute zeigt sich ein neues Bild. Digital geblieben ist das ehemals gedruckte Programm. Jetzt können wir tagesaktuell und kurzfristig Angebote veröffentlichen. Änderungen sind schnell erledigt, keine*r muss mehr in ein veraltetes Programm schauen. Geblieben sind auch die Kooperationen und digitalen Angebote, wenn wir bekannte Referent*innen zu uns einladen. Sie würden oftmals sonst gar nicht kommen oder wären für uns zu teuer. In Zusammenarbeit mit unseren Partner*innen, vor allem der Evangelischen Akademie im Rheinland, dem Evangelischen Forum Bonn, aus dem Katholischen. Bildungswerk, dem Katholisch-Sozialen Institut und dem Rhein-Sieg-Kreis schaffen wir dadurch eine große Verbreitung und können den finanziellen Rahmen machbar halten. Bildungsarbeit bleibt aber trotz allem auch immer ein intensiver Ort von Begegnung und Austausch und da werden sich Veranstaltungen in Präsenz und digitale Angebote sinnvoll ergänzen.

 

Zur Person
Nach ihrem Studienabschluss als Diplom-Pädagogin an der Universität Köln arbeitete Andrea Eisele zunächst als Referentin für offene Altenhilfe beim Diözesan-Caritasverband in Limburg. Mit der Rückkehr ins Rheinland ab 1995 kam sie zunächst zur Suchtprävention der Diakonie An Sieg und Rhein und dann zum Verein Hilfe zur Arbeit, zuletzt als Leiterin des sozialen Dienstes Seit 2011 ist sie bei der Evangelischen. Erwachsenenbildung An Sieg und Rhein. Andrea Eisele ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und zwei Enkelkinder.

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Evangelische Erwachsenenbildung An Sieg und Rhein