Sich als Single kostbar und gesegnet fühlen
von Anna Neumann
28.09.2026
Warum gibt es ein Extra-Angebot für Singles?
Die Segensfeier ist ein bewusst gewähltes Experiment. Sie ist entstanden aus der Erfahrung, dass es in Kirche eine Lücke für Singles gibt. Klassische Angebote wie Taufe, Konfirmation und Trauung richten sich an Paare und Familien. Die Lebensform Single steht selten im Vordergrund. Es gibt kaum Gelegenheiten, sich in dieser Lebensform kostbar und gesegnet zu fühlen.
Was passiert dann konkret bei der Feier?
In der Feier selbst gibt es kurze Impulse, um miteinander ins Gespräch zu kommen, Musik, einen Segen für alle und die Möglichkeit der Einzelsegnung. Der Austausch ist ein zentraler Teil. Da geht es um Fragen wie das Bild vom eigenen Singleleben: Wie sehe ich mich selbst oder Singles in meinem Umfeld? Bilder ablegen ist ein weiteres Thema: Welche Vorstellungen möchte ich loslassen? Und dann sind Wünsche dran: Was wünsche ich mir für mein Leben als Single oder für Singles, die ich kenne? Die bisherigen Feiern haben gezeigt, dass klappt, was wir erreichen möchten: Die Atmosphäre ist offen und frei von Erwartungen. Es ist eine Einladung, die eigene Lebensform bewusst wahrzunehmen – und sich darin gesegnet zu wissen.
Frage für eine Freundin, die zum ersten Mal teilnimmt und noch etwas unsicher ist: Kann man sich irgendwie falsch verhalten?
Du darfst neugierig, interessiert und offen sein – für Begegnung, für Austausch, für die Vielfalt des Single-Seins. Jede Lebensgeschichte ist willkommen. Fehl am Platze ist nur dies: Komm nicht mit der Erwartung, hier eine Partnerschaft zu suchen. Die Feier ist kein Dating-Format. Sie ist ein Ort, an dem Singles sich gesehen, wertgeschätzt und gesegnet fühlen können.
Was ist, wenn man kirchliche Umgangsformen nicht draufhat? Kann man als unfromm auffallen?
Was heißt „fromm“ sein? Man muss nicht gläubig, kirchennah oder bibelfest sein. Die Feier ist offen für alle, die sich mit ihrer Lebensform auseinandersetzen möchten – spirituell, neugierig, suchend oder einfach interessiert. Mit anderen Worten: Fromm sein ist keine Eintrittskarte. Offenheit reicht völlig.
Nochmal anders gefragt: Trifft sich da der traurige Rest?
Gegenfrage: Wenn man sich die Zahlen gescheiterter Ehen ansieht, wenn man sieht, wie viele Ehen nur noch auf dem Papier bestehen, weil zum Beispiel damit steuerliche Vorteile verbunden sind, könnte man sein Single-Sein nicht genießen? Mehr noch: Wer sich intensiver Zahlen ansieht, weiß: Mehr als 38 Prozent der Männer und mehr als 36 Prozent der Frauen sind nicht verheiratet, waren es nie! Frauen, die verheiratet waren, die sich getrennt haben oder den Partner durch Todesfall verloren haben, heiraten nicht wieder, sie genießen ihre Freiheit. Verheiratet zu sein, kann ein Segen sein, muss es aber nicht. Single zu sein ist keine Defizitform, sondern eine gesegnete Lebensform unter vielen. Die Feier ist kein Ort für Traurigkeit, sondern für Selbstbewusstsein, Würde und Freude am eigenen Weg.
Die Feier findet nicht in einer Kirche statt. Warum ist sie in einem Café?
Weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass ein Café die Hemmschwelle senkt. Viele Menschen betreten ein Café leichter als einen Kirchenraum. Ein Café schafft Nähe und Gesprächsbereitschaft. Es signalisiert: Diese Feier gehört mitten ins Leben. Es öffnet Türen für Menschen, die mit Kirche wenig Berührung haben.
Stichwort persönlicher Einzelsegen: Was muss man dazu wissen?
Zunächst: Es gibt immer einen Segen für alle. Niemand geht ohne Segen aus dieser Feier. Die Einzelsegnung ist ein Angebot darüber hinaus. Wer möchte, kann sich im Blick auf die eigene Lebenssituation persönlich segnen lassen. Dem geht ein kurzes Gespräch unter vier Augen voraus, dann folgt der Segen. Viele Menschen erleben diesen Moment als berührend, stärkend und befreiend. Manche sagen danach, sie fühlten sich „gesehen“, „aufgerichtet“. Es ist ein kurzer, persönlicher Zuspruch – kein Ritual mit Erwartungen, sondern ein Geschenk.
Was passiert beim Segen für eine Freundschaft?
Eine Freundschaftssegnung richtet sich auf die Freundschaft – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Freundschaftssegnung würdigt die Bedeutung einer Freundschaft – ihre Verlässlichkeit, Tiefe und Kraft. Sie ist kein verkapptes Partnerschaftsritual, sondern eine klare Wertschätzung einer Beziehung, die oft zu wenig Beachtung findet. Freundschaften tragen viele Menschen durchs Leben. Eine Segnung kann diese Bedeutung sichtbar machen.
Pfarrerin i.R. Editha Royek gehört zu den Frauen, die die Segensfeier für Singles vorbereiten.
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9. Oktober, 18 Uhr, Café Lux Mundi, Markt 47, Siegburg