Das Tandem steht symbolisch für den Besuchsdienst: vorn vor dem Tandem: Mia Trapp (l.) und Projektleiterin Sophie Schmitz; hintere Reihe von links: Birgit Binte-Wingen (Freiwilligen-Agentur), Petra Krybus (Leiterin des Siegburger Sozialamts), Maria Neuschaefer-Rube (Integrationsagentur), Siegburgs Bürgermeister Stefan Rosemann, Andrea Eisele (eeb-Leiterin), Helga Roland und Ulrich Klink (ehem. Evangelischer Verein für Altenhilfe), Superintendentin Almut van Niekerk und Dagmar Redlin (Seniorenbeauftragte der Stadt Siegburg).

Mit Tandem ist man weniger allein

von Anna Neumann

14.08.2025

Der Evangelische Kirchenkreis An Sieg und Rhein beschreitet innovative Wege, um älteren Menschen Teilhabe zu ermöglichen und um Einsamkeit vorzubeugen. Das Projekt beginnt im September.


Fehlende Teilhabe und Vereinsamung gehören zu den gesellschaftlichen Megatrends. Das hat der Evangelische Kirchenkreis An Sieg und Rhein laut Superintendentin Almut van Niekerk bei seinem neuen Projekt „Miteinander verbunden – in Siegburg zuhause“ im Fokus. Unter der Federführung der Evangelischen Erwachsenenbildung An Sieg und Rhein (eeb) und zusammen mit zahlreichen Kooperationspartnern, startet ein Tandem-Besuchsdienst für allein lebende ältere Menschen, erweitert um spezielle digitale Tools für Senior*innen und ihre Angehörigen.

Getreu dem Kirchenkreis-Motto „kreuz und quer verbinden“ bringt das Projekt „Menschen und Ideen zusammen“, erklärte Superintendentin Almut van Niekerk zum Projektstart. Die verschiedenen Beteiligten – darunter die Stadt Siegburg sowie die Freiwilligen-Agentur und die Integrationsagentur der Diakonie An Sieg und Rhein – legen ihre Kompetenzen zusammen.

Das Projekt sorge für Teilhabe aller Menschen, unabhängig von Konfession und Religion, und helfe, „die Menschen in unserer Gesellschaft zusammenhalten“, so die Superintendentin. Es dient konkret Menschen, die ihr Leben immer allein gemeistert haben – und das auch weiterhin tun wollen und werden. Es bringt Alleinlebende und Ehrenamtliche zusammen – beim Tandem-Besuchsdienst persönlich-präsent.

Dank des Bürgermeisters

Siegburgs Bürgermeister Stefan Rosemann dankte, „dass sich die Beteiligten auf den Weg gemacht haben“. Weil uns Einsamkeit im Alter immer häufiger begegne, „müssen wir eine Antwort darauf geben“. Ohne Ehrenamt würde der Sozialstaat bzw. eine Stadt nicht funktionieren. Bei der Vorstellung des Projekts versprach der Bürgermeister: Schon allein der zweite Teil des Slogans „in Siegburg zuhause“ verpflichte die Stadt, zuzuarbeiten und zu unterstützen.

Der Tandem-Besuchsdienst wird mit Ehrenamtlichen aufgebaut, berichtete Projektleiterin Sophie Schmitz von der eeb. „Ehrenamt tut gut: denjenigen, die sich engagieren, und den Menschen, die dadurch zur Teilhabe ermutigt werden.“ Zur Unterstützung werden den Ehrenamtlichen regelmäßige Austauschrunden angeboten. Außerdem können sie sich in Schulungen selbst mit Sprachassistenten, Gesundheits- und Notfall-Apps, Erinnerungsfunktionen oder dem Einsatz von Videoanrufen vertraut machen – Wissen, das sie wiederum an die Zielgruppe weitergeben können.

Bausteine für souveränes Leben

Den Bedarf im Alltag machte Mia Trapp deutlich, eine ehemalige Lehrerin und Lerntherapeutin. Ein Beispiel der 88-Jährigen: Der „Notfallknopf“ ihres Mannes habe „immer irgendwo gelegen, aber nicht da, wo er gebraucht wird“. Sie selbst trägt heute eine Smartwatch, sicherheitshalber mit Sturzerkennung. Vom Handy schickt sie jeden Morgen das Daumen-hoch-Emoji an ihre Söhne – auch ein kleiner Baustein dabei, weiterhin souverän zuhause zu leben.

„Wir fangen nicht bei Null an“, sagte die Superintendentin. Schließlich greift die eeb für das Projekt auf ihre Erfahrungen und Erfolge mit dem Digital-Café zurück, einem Erfahrungsort der bundesweiten Initiative DigitalPakt Alter.

Auch Ehrenamt hilft gegen Einsamkeit

Mit im Boot ist die Freiwilligen-Agentur. Deren Leiterin Birgit Binte-Wingen warb für Freiwillige, die im Projekt mitarbeiten, und wies auf einen schönen Doppeleffekt hin: Ehrenamtliches Engagement bereichert auch die Ehrenamtlichen selbst – und es könne sogar davor bewahren, selbst in eine Einsamkeitsspirale zu geraten.

Auch Integration im Blick

Die Integrationsagentur bringt laut Maria Neuschaefer-Rube zwei Aspekte mit in dieses Projekt ein: zum einen die Erfahrung aus dem Sankt Augustiner Projekt „Hand in Hand“, einem ehrenamtlichen Besucherdienst. Auch dort gibt es Schulungen für die Ehrenamtlichen und es werden Tandems gebildet. Außerdem bringt Neuschaefer-Rube „die vielfaltssensible Brille ein“.

Starthilfe von einem Verein

Ermöglicht wird das Projekt durch eine großzügige Spende des Evangelischen Vereins für Altenhilfe, der inzwischen aufgelöst ist und mit der Starthilfe für das Projekt noch einmal ältere Menschen in Siegburg unterstützt. „Wir geben jetzt auch etwas zurück“, sagt Klink im Blick darauf, dass der Verein in seiner Aufbauzeit in den Siebzigerjahren von der Stadt unterstützt wurde. Dem neuen Projekt wünscht er, dass es sich gut herumspricht und bekannt wird.

Kontakt

Kontakt für interessierte ältere Menschen, die das Angebot nutzen möchten, und für freiwillig Engagierte, die im Projekt ehrenamtlich mitarbeiten wollen:
Sophie Schmitz, Projektleitung
Evangelische Erwachsenenbildung An Sieg und Rhein
Ringstraße 2, 53721 Siegburg
0151 21790035