Wie in einer richtigen Stadt
von Anna Neumann
24.07.2025
„Der Eistee schmeckt fast nur nach Wasser“, sagt Can. Das will er ändern lassen. Auch in der Bäckerei sieht er Änderungsbedarf. Das Angebot soll breiter werden, findet der Schüler. Eine Streitschlichtung hat er auch schon übernommen. Bei Mini-Siegburg, der spielerischen Kinderstadt und Sommerferienfreizeit, ist Can zum vierten Mal dabei. Erstmals bekleidet er das Bürgermeister-Amt. Den echten Bürgermeister hat er auch schon getroffen – Stefan Rosemann hat das Ferienprojekt besucht, das das Evangelische Jugendwerk Sieg • Rhein • Bonn im Auftrag der Stadt Siegburg realisiert.
Mini-Siegburg hat alles, was eine richtige Stadt ausmacht: Bürgermeister und Bäckerei, Arbeitsagentur, Bank, Krankenhaus, Medien, Fußballverein und vieles mehr. Die Kinder im Grundschulalter füllen ihre Stadt mit Leben: Sie wählen sich Jobs, bekommen ihren Lohn in der stadteigenen Währung „Siegis“ ausgezahlt und bezahlen davon zum Beispiel einen Tanzkurs oder Snacks. Insgesamt läuft Mini-Siegburg drei Wochen lang.
Demokratie leben, Gemeinschaft erfahren
Jede Woche wird die Bürgermeisterin bzw. der Bürgermeister neu gewählt. Marco Herrlich, Geschäftsführer des Evangelischen Jugendwerks: „So lernen die Kinder früh, wie Demokratie funktioniert. Wählen zu dürfen ist ein gutes Gut.“ Sie lernen außerdem spielerisch, wie Wirtschaft und Gesellschaft laufen. Aus Sicht von Marco Herrlich sorgt Mini-Siegburg auch dafür, dass die Mädchen und Jungen den Wert vom Zusammenleben in Gemeinschaft erfahren.
Can, der Bürgermeister, hat auch Freude an seinem Amt: „Mir macht es Spaß. Ich werde von fast jedem gegrüßt.“ In seinen kommenden Ferienwochen wird er teils zuhause sein. In den letzten beiden Ferienwochen wird er mit seiner Familie verreisen.
Ehrenamtliche Teamer unterstützen
Im Krankenhaus machen zwei Minis eine Erste-Hilfe-Prüfung. Eine Mini-Bürgerin verlässt gerade ihren Zweisitzer, Taxi heißt das Gefährt hier in Mini-Siegburg. Am Taxistand hilft der 19-Jährige Safian. Der Azubi für Karosserie- und Fahrzeugbau hat sich zwei Wochen freigenommen, um hier mitzuarbeiten. In der Bäckerei ist Finja (17) als Teamerin aktiv, zusammen mit Mini-Bürger*innen schnippelt sie Äpfel – ein Apfelkuchen ist in der Mache. Die Schülerin findet es schön, sagt sie, in ihren Ferien „einfach etwas zu tun zu haben“ und die Ehrenamtspauschale dafür zu erhalten.
Mini-Siegburg begleiten 50 Jugendliche ehrenamtlich und außerdem fünf pädagogische Fachkräfte. 430 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren nehmen teil. Neben dem Bürgermeister gibt es weitere Besucher aus dem echten Siegburg: Polizei und Freiwillige Feuerwehr. Die Hans-Alfred-Keller-Schule, wo Mini-Siegburg erstmals und noch bis 1. August stattfindet, hat sich aus Veranstaltersicht gut bewährt.
Fotoalbum: Paula Friederich
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Website des Jugendwerks