Präses Dr. Thorsten Latzel besucht am Vorlesetag die 3b der Evangelischen Grundschule Hangelar. Foto: Lucy Mindner

„Lesen schenkt Hoffnung“

von Anna Neumann

21.11.2025

Anlässlich des bundesweiten Vorlese­tages erinnert sich Präses Dr. Thorsten Latzel, leitender Geistlicher der Evangelischen Kirche im Rheinland: „Unsere Mutter hat uns viel vorgelesen."


So habe sie am Küchentisch aus der Kinderbibel vorgelesen. „Das war für uns der Einstieg in neue Welten.“ Lesen sei der Schlüssel für Bildung, Weltoffenheit und gesellschaftliche Teilhabe. Die biblischen Geschichten vermittelten Lebensmut, Vertrauen und Hoffnung. Präses Latzel hat deshalb selbst am Vorlesetag Grundschulkindern vorgelesen: in der Evangelischen Grundschule in Hangelar.

Aufmerksam nach der Flitzepause

22 Mädchen und Jungen haben an diesem sonnigen, späten Freitagvormittag noch schnell eine Flitzepause machen können. Jetzt ist da dieser Besucher, der erklärt, dass er Präses, also sozusagen Bischof ist, und wissen will, ob hier jemand ein Haustier hat. Hamster, Hund, Katzen – alles vertreten. „Spielt hier jemand Fußball?“ Auch da gehen jede Menge Finger hoch – hier in der 3 b. Schönes Warming Up: „Hat Jesus Fußball gespielt?“ von Antje Damm ist das Buch, das der Präses nun vorliest.

22 Kids sind mucksmäuschenstill – außer der Stimme des Vorlesers ist kaum ein Rascheln zu hören. Wenige mustern nach einiger Zeit die weiteren Gäste, die an diesem Tag zu Besuch sind: Neben Rektorin Lucy Mindner und Klassenlehrerin Stefanie Langel sitzen hinten in letzter Reihe auf Ministühlchen Susanne Ahlers-Weiss von der Evangelischen Bücherei Hangelar, Andrea Vogel, die ehemalige Superintendentin ist Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen öffentlichen Büchereien im Rheinland, und Nicole Ganss, Dezernentin im Düsseldorfer Landeskirchenamt. Die Frauen stehen für jede Menge Engagement in Sachen Bücher, Büchereien und Lesen. 125 evangelische Büchereien gibt es im Rheinland, betrieben von tausend Ehrenamtlichen.

Ein Schuss – und weg ist der Ball

Fred, dessen Geschichte der Präses vorliest, ist Schulkind und liebt Fußball. Da fliegt der gute Lederball plötzlich in den Himmel und landet dann – ohweh – versehentlich in Nachbars Garten. Das ist alles andere als lustig, denn der Ball ist unerreichbar und der Besitzer ein fieser Kauz, der den Ball nicht rausrücken will.

Wenn der Mann spazieren geht, donnert er bei jedem Schritt seinen Stock auf den Asphalt, als wollte er jemanden aufspießen. „Tok, tok, tok“, macht der Präses den Klang nach. Ein Schüler links vorn zieht mit: Er kopiert die Bewegung, als hielte auch er einen Stock in Händen.

Und das Ende von der Geschichte? Bleibt an diesem Vormittag ungelesen. Der Präses signiert das Buch und schenkt es der 3b. „Wer hat jüngere Geschwister?“ fragt der Präses – und wieder schnellen jede Menge Finger in die Luft. „Lest ihnen vor, ihr könnt ja schon lesen.“