Blick in die Telegrafenstraße in Bad Neuenahr - kurz nach der Hochwasserkatastrophe und heute. Quelle: EKiR / Marcel Kuß

„Fünf Jahre sind lang und kurz“

von Anna Neumann

14.07.2026

Die Flutkatastrophe in der Region, die Menschen an Ahr und Erft am schwersten getroffen hat, jährt sich zum fünften Mal.


„Die Flut – alles, was wir seit dem Abend des 14. Juli 2021 erlebt haben – gehört zu unserer Geschichte. Das verbindet unser Dorf mit vielen anderen Orten, in denen in dieser Nacht Flüsse und sogar kleinste Bäche über die Ufer traten und unvorstellbare Wassermassen Leid und Zerstörung anrichteten“, sagte die Superintendentin von Nachbar-Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel am 14. Juli 2026 im NRW-Landtag. „Was wir erlebt haben, liegt hinter uns. Wir sind nicht dieselben wie vorher. Die Trauer um Verstorbene, Bilder und Geräusche, die sich in unsere Erinnerung eingebrannt haben, das Gefühlschaos zwischen tiefster Verzweiflung, Erschöpfung und neuer Hoffnung, all das bleibt in uns.“

Das verheerende Hochwasser im Juli 2021 hat Menschen das Leben genommen und materielle Schäden in Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro verursacht, daran erinnert die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL) anlässlich des 5. Jahrestages. „Drei Tage im Juli 2021 haben das Schicksal tausender Menschen in den Hochwasserregionen einschneidend verändert. Ihre Wunden werden nie ganz verheilen“, sagt Kirsten Schwenke, Vorständin der Diakonie RWL. „Dank der großen Spendenbereitschaft konnten unsere mobilen Teams seitdem mehr als 25.000 Betroffene umfassend beraten sowie finanziell und psychosozial unterstützen.“

Die Diakonie Katastrophenhilfe und die Diakonie RWL kooperieren in der Hochwasserhilfe unter dem Namen Diakonie Katastrophenhilfe Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL). Fünf Jahre nach der Hochwasserkatastrophe sind nahezu alle eingegangenen Spendengelder in Höhe von 47,87 Millionen Euro ausgegeben bzw. fest verplant in noch laufende Projekte.

Im Blick auf die Wiederaufbauhilfe lässt sich Stand heute bezüglich Kirchen sagen, wie die Landeskirche mitteilt: Insgesamt wurden in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen bisher 29,4 Millionen Euro an Wiederaufbauhilfe für die Instandsetzung kirchlicher Gebäude auf rheinischem Kirchengebiet bewilligt. Mehr als die Hälfte der Fördergelder ist auch bereits an die betroffenen Kirchengemeinden ausgezahlt worden.

Geld heilt nicht alle Wunden. Die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland erfuhr bei einem Besuch in Bad Neuenahr, dass viele Menschen dort am liebsten „alles weghaben wollen, was sie an die Flut erinnert“. Auch die Teilnahme an Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag sei keineswegs allen ein Bedürfnis.

Claudia Müller-Bück, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel, sagt: „Wir haben große Hilfe erfahren. Und uns ist die Vernetzung der Helfenden vor Ort gelungen.“ Rolf Stahl, ihr Amtskollege vom Kirchenkreis Koblenz: „Fünf Jahre sind lang und kurz: Man sieht die Wunden noch deutlich. Und vieles ist nicht mehr, wie es mal war – und wird es auch nicht wieder sein. In der Psyche der Menschen ist noch vieles ganz frisch.“

Superintendentin Claudia Müller-Bück wird beim Gedenkakt am 14. Juli im NRW-Landtag in Düsseldorf eine überkonfessionelle Ansprache halten. Die weiteren Redner werden sein: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Landtagspräsident André Kuper.

Für den 15. Juli lädt die Superintendentin offen in die Maria-Magdalena-Kirche in Swisttal-Heimerzheim, Sebastianusweg 5-7, ein. Die Kirche wird von 10 Uhr an geöffnet sein – „wie in den Tagen und Wochen direkt nach der Flut“, so Müller-Bück. Wer kommt, kann einfach mit anderen reden, da sein, auf Wunsch vielleicht auch ein seelsorgliches Gespräch wahrnehmen. Um 17 Uhr wird die Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Antje Menn, eine Andacht halten. Und auch danach wird die Kirche einfach noch bis circa 18.30 Uhr als Raum für Begegnung und Austausch geöffnet sein.