Mirja Petersen

Fragen, Freude und Verletzlichkeit Raum geben

von Anna Neumann

28.05.2026

Am Sonntag wird Mirja Petersen in Hennef ordiniert.


Sie wollte schon als Kind Pfarrerin werden. „Weil ich mich in der christlichen Gemeinschaft früh wohlgefühlt habe.“ Dieser Wunsch ist belegt: „Fun Fact: Es gibt ein Freundebuch aus der dritten Klasse, in dem ich meinen Berufswunsch ,Fahrerin‘ festgehalten habe.“ Am kommenden Sonntag, 31. Mai, geht alles in Erfüllung: Mirja Petersen wird von der Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises An Sieg und Rhein, Almut van Niekerk, ordiniert. Der Gottesdienst in der Christuskirche, Beethovenstraße 42, 53773 Hennef, beginnt um 14 Uhr.

„Ich werde Pfarrerin, weil ich überzeugt bin, dass Gemeinde ein Ort sein kann, an dem Menschen mit ihren Fragen, ihrer Freude und ihrer Verletzlichkeit Raum haben“, sagt die 33-Jährige. Sie möchte gemeinsam mit Haupt- und Ehrenamtlichen Gemeinde gestalten und dazu beitragen, „dass der christliche Glaube im Alltag erfahrbar wird“.

Als Kind war sie in der gemeindeeigenen Chor- und Bläserarbeit, fuhr auf Kinderfreizeiten des Kirchenkreises mit. Nach der Konfirmation wurde sie Konfi-Teamerin, engagierte sich im Jugendausschuss und wurde mit 18 zur Presbyterin gewählt. Zugleich erfuhr sie: „Als Familie haben wir über den Kirchturm hinausgeblickt. Da passt auch dazu, dass meine Mutter und ihre Seite der Familie römisch-katholisch ist.“

Nach dem Abitur hat Mirja Petersen angefangen, in Bonn Evangelische Theologie zu studieren. 2015/16 war sie für ein Auslandsjahr in Durham / Großbritannien, danach wechselte sie nach Heidelberg. Nach dem Examen hat Mirja Petersen an der Universität Bonn als wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt „Resilienz in Religion und Spiritualität“ gearbeitet. Für ein Promotionsvorhaben in Systematischer Theologie verbrachte sie außerdem ein Auslandssemester an der Universität Cambridge.

Weil sie lieber mit Menschen zusammenarbeiten und Theologie in der Praxis betreiben wollte, ging sie dann ins Vikariat, zunächst in Uckerath und nach der Elternzeit in Hennef; seit diesem Jahr sind die beiden Gemeinden fusioniert.

Die angehende Pfarrerin sagt: „Ich arbeite gern an neuen Formen von Kasualien, weil sich dort sehr konkret zeigt, was Menschen von Kirche erwarten. In meinem Gemeindeprojekt zur Stärkung von Paaren habe ich im Team mit Ehrenamtlichen ein neues Segensformat entwickelt und erprobt. Mich interessiert dabei vor allem, wie Worte, Musik und Ablauf zur jeweiligen Situation passen und für die Beteiligten stimmig sind.“

Das wird sie weiter beschäftigen. Doch derzeit hat Mirja Petersen, die mit ihrer Familie in Oberkassel lebt, wo sie auch aufgewachsen ist, eine besondere Station zwischengeschaltet. „Während meines Vikariats habe ich angefangen, Andachten für 1LIVE zu schreiben. Daraus ist die Idee entstanden, nach dem Examen ein halbjähriges Sondervikariat beim WDR zu machen.“ So kommt es, dass sie seit April als Hospitantin beim WDR arbeitet. „Die Hospitanz dort fordert mich heraus, Religion und Kirche aus einer Außenperspektive zu sehen. Das schärft meinen Blick dafür, wie wir reden, welche Themen wir setzen und welche Geschichten wir erzählen.“