Teilnehmende bei der Emmaus-Gemeinde Lohmar teilen Essen am Tisch. Foto: Jeremie Niyiguha

Essen als Brücke

von Jeremie Niyiguha

11.02.2026

„Das gemeinsame Mahl finden wir in unserer Bibel immer wieder, es ist ein zentrales Symbol für die Gemeinschaft mit Gott und untereinander“, sagt Friederike Weppler, eine der Organisatorinnen.


Mit diesen Worten brachte Friederike Weppler den Geist eines gemeinschaftlichen Kochabends zum Ausdruck, der im Gemeindehaus Honrath der Emmaus-Gemeinde Lohmar stattfand. Die Veranstaltung war Teil der Reihe der Gemeinde „Die Welt kocht in der Emmausgemeinde“, einer Initiative, die Essen als Mittel nutzt, um Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenzubringen.

Rund 80 Teilnehmende kamen an diesem Abend zusammen, der ganz der spanischen Küche gewidmet war. Gemeindemitglieder, Menschen aus dem Umfeld der Kirche sowie Gäste kochten, teilten und aßen gemeinsam und verwandelten das Gemeindehaus in einen lebendigen Ort der Zusammenarbeit, des Austauschs und der kulturellen Begegnung.

Gemeindepfarrerin Barbara Brill-Pflümer bereitete kein eigenes Gericht zu, unterstützte jedoch den Kochprozess überall dort, wo Hilfe benötigt wurde, gemeinsam mit den Organisatorinnen Elke Friese und Friederike Weppler. Nach ihren Worten haben gemeinsame Mahlzeiten in der christlichen Tradition eine tiefe Bedeutung, da sie sowohl die Gemeinschaft mit Gott als auch das Miteinander der Menschen symbolisieren. Veranstaltungen wie diese seien ein moderner Ausdruck lang gewachsener christlicher Werte wie Würde, Inklusion und Zusammenhalt.

Durch das gemeinsame Kochen und Essen konnten Menschen unterschiedlicher Herkunft einander auf Augenhöhe begegnen. Die Pfarrerin betonte, dass das Kennenlernen anderer Kulturen durch Essen dazu beiträgt, Ausgrenzung abzubauen, gegenseitiges Verständnis zu fördern und Solidarität erlebbar zu machen. Gemeinschaft zu stiften sieht die Kirche als einen zentralen christlichen Auftrag, und solche Veranstaltungen seien ein zeitgemäßer und niedrigschwelliger Weg, diesen Auftrag zu leben.

Geprägt wurde der spanische Abend durch die Beiträge mehrerer Köchinnen und Köche, darunter Servando Lores Lois, der eine Vielzahl traditioneller spanischer Gerichte zubereitete, mit einem besonderen Schwerpunkt auf Fisch- und Meeresfrüchtegerichten. Höhepunkt seines Kochens war die Paella, ein Gericht mit besonderer kultureller Bedeutung in Spanien. Traditionell für große Gruppen und familiäre Anlässe zubereitet, wurde sie bewusst wegen ihres gemeinschaftlichen Charakters gewählt. Für ihn hatte das Kochen in der Emmausgemeinde zudem eine persönliche Bedeutung: Er wurde dort getraut, und seine Kinder wurden dort getauft, was seine Teilnahme für ihn besonders sinnstiftend machte.

Eine weitere wichtige Mitwirkende war Emma Rubio Serrano, die an der Zubereitung mehrerer Gerichte beteiligt war und ein Dessert mit starkem persönlichem Bezug einbrachte: Crema catalana, eine traditionelle Spezialität aus ihrer Heimatregion Katalonien und das Lieblingsdessert ihrer Kinder. Sie hob nicht nur den Geschmack hervor, sondern auch das gemeinsame Erlebnis des Karamellisierens der Zuckerschicht, das oft zu einem kleinen gemeinschaftlichen Moment wird.

Für Emma Rubio Serrano ist die Reihe „Die Welt kocht“ eine wirkungsvolle Möglichkeit, andere Kulturen kennenzulernen und gleichzeitig Integration sowie gegenseitigen Respekt zu fördern. Auch wenn die Organisation der Veranstaltung viel Zeit und Energie erforderte, beschrieb sie diesen Einsatz als sinnvoll, wenn er zu einer offenen, toleranten und multikulturellen Gesellschaft beiträgt. Neben bekannten Gerichten wie der Paella integrierte sie bewusst weniger bekannte Rezepte, um Vielfalt zu bieten und Neugier zu wecken. Die Paella, so betonte sie, spiegele den Geist des Abends besonders gut wider: Sie wird gemeinsam zubereitet, lädt zum Gespräch ein und erlaubt es, individuelle Vorlieben innerhalb eines gemeinsamen Gerichts zu berücksichtigen.