Einander widersprechen, wieder zueinander finden
von Redaktion EKASuR
12.03.2026
Räumen, in denen sie reden – „auch wenn sie unterschiedlicher Meinung sind“, wie die Bischöfin weiter erklärt. Menschen dürfen und sollen einander widersprechen „und dennoch neu zueinander finden“. Davon erzähle auch die Bibel. Deshalb führt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zusammen mit der Diakonie Deutschland und der evangelischen Zukunftswerkstatt midi die Demokratie-Initiative #Verständigungsorte fort. Die #Verständigungsorte fördern den demokratischen Dialog im Superwahljahr 2026. Neu ist eine Startbox zur Umsetzung von niedrigschwelligen Gesprächsformaten vor Ort.
Unter den mehr als zweihundert registrierten #Verständigungsorten finden sich zwei aus dem Evangelischen Kirchenkreis An Sieg und Rhein, beide in der Evangelischen Kirchengemeinde Beuel: das PüMi-Café und das Café Sonnendeck. Die beiden Cafés fungieren als alltägliche Treffpunkte. Sie fördern Begegnungen. Das tun sie schon seit vielen Jahren – nun sind sie außerdem #Verständigungsorte.
PüMi-Café: Begegnungen an großen Tischen
Das PüMi-Café in Bonn-Pützchen ist „in jeder Hinsicht sehr niederschwellig“, erzählt Leiter Felix Elschner. Denn hier verbringen Menschen aus allen Schichten miteinander Zeit. Zu den Mitarbeitenden und den Gästen zählen auch Muslime.
Das PüMi habe – anders als gängige Cafés – „eher große Tische“. Dadurch sitzen auch einander fremde Menschen zusammen, berichtet Felix Elschner.
Nach seiner Erfahrung sind viele Menschen einsam „mit sich und ihrer Meinung“. Gemeinschaft zu erleben heiße: „auch die eigene Meinung formen“. Manchmal, erzählt Elschner, setzen sich Mitglieder des Teams auch zu Gästen. Für Felix Elschner ist klar: „Gemeinschaft ist Kompromiss und Gemeinschaft ist bereichernd“. Und so funktioniert das PüMi-Café als „offener und kommunikativer Ort“.
Café Sonnendeck: Gemeinschaft in der dritten Lebensphase
Das Café Sonnendeck richtet sich hauptsächlich an Menschen in der „dritten Lebensphase“, also in der Zeit nach dem Berufsleben. Leiterin Eve-Janine David erläutert: „Sie treffen sich, um Freizeit sinnvoll zu gestalten, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, Neues zu erleben, eigene Erfahrungen zu teilen.“ Das definiert perfekt einen Ort der Verständigung: Menschen lernen an diesen Orten Neues kennen, teilen Vertrautes und begeben sich gemeinsam auf den Weg in die Zukunft.
Das Café öffnet zweimal wöchentlich für jeweils drei Stunden. Wie in einem richtigen Café gibt es Kaffee und Tee, Waffeln und Kuchen, es wird geplaudert und gespielt. Und es gibt mehr, zum Beispiel Gesprächs- und Diskussionsrunden mit Gästen aus Hospizarbeit, Telefonseelsorge, Naturschutz und Polizeiarbeit. Verständigungsorte, so Eve-Janine David, „verbinden Menschen und stärken das soziale Klima“.
Raum für „ehrlichen Dialog“
#Verständigungsorte werden bei midi so beschrieben: Sie schaffen „Raum für ehrlichen Dialog“. Sie sind Orte „zum Reden und Zuhören, entspannen verhärtete Fronten, weiten den Blick und lassen auch mal in die Schuhe der anderen schlüpfen“.
Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch sagt über die Initiative: „Unsere Gesellschaft steht unter Druck.“ Menschen fühlten sich verunsichert durch Krisen, soziale Unsicherheit und große Veränderungen. Einander zuzuhören und sich auszutauschen gebe Vertrauen zurück.
Hinweise
- Das PüMi-Café ist mittwochs von 9 bis 17 Uhr geöffnet, Am Weidenbach 21, Bonn-Pützchen
- Das Café Sonnendeck in der Adelheidisstraße 72, Beuel-Nord, ist dienstags und donnerstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Jeremie Niyiguha & Anna Neumann
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