Ein stimmungsvoller Abend
von Jeremie Niyiguha
09.07.2025
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, diesen Wettbewerb als Kirche zu organisieren?
In der Stadtkirche Troisdorf gibt es schon seit vielen Jahren regelmäßig Poetry-Slam-Abende. Über die Moderatorin Anna-Lisa Azur haben wir das Glück, Profi-Slammer:innen aus der Slam-Szene in NRW und darüber hinaus hier bei uns zu haben. Einige der Künstler:innen treten zum Beispiel auch bei 1live im Radio auf. Ab dem nächsten Slam sind wir möglicherweise sogar gelistet, so dass wir nominierungsberechtigt für die NRW-Meisterschaften wären. Jetzt gab es erstmals einen Song Slam bei uns. Es traten also nicht Slam-Poet:innen mit ihren Geschichten und Gedichten, sondern Songwriter:innen mit ihren Liedern an. Das ist wirklich ein tolles Format. Ein Konzert, in dem viele Stimmen erklingen und es sehr abwechslungsreich zugeht. Das war großes Kino, fand ich.
Warum halten Sie dieses Event für wichtig – für die Kirche, die Gemeinde, die Jugendlichen und insbesondere für die Teilnehmenden?
Was die Slams für uns als Kirche so besonders macht, ist der Sinn für Sprache und Ausdruck – für das „Wort“. Wir Evangelischen reden in der Theologie oft vom „Wort Gottes“ und davon, dass Gott gerade dann wirken kann, wenn Menschen bei einer Predigt oder im Gespräch über das Evangelium besonders berührt sind. Ich als Pfarrer bin davon überzeugt, dass wir dafür auch ein besonderes Gespür für Sprache und Sprachperformance brauchen. Wenn jemand gut erzählt und ganz bewusst spricht – das fesselt die Zuhörer:innen und das schafft eine Verbindung.
Vor zwei Jahren haben wir einen Jugend-Poesie-Preis ausgeschrieben und vergeben. Da waren einige Jugendliche ganz aktiv dabei. Unsere Slams sind aber nicht allein etwas für Jugendliche. Es ist beachtlich, dass Menschen aller Altersgruppen und auch viele ältere Menschen Interesse an den Slams haben. Nicht zuletzt scheinen sie neugierig darauf zu sein, was die (zumeist) jungen Slammer:innen denken und welche Werte die wichtig finden.
Wie sehen Sie die Wettbewerbs-Premiere konkret?
Beim Song Slam waren vier Künstler:innen dabei: Veralee aus Berlin, Dan o`Clock aus Köln, Ralle aus Erftstadt und Reni aus Frankfurt. Während die anderen drei mit Gitarre performed haben, hat Ralle zu Backtracks gerappt. Das Publikumsvotum hat Reni zur Siegerin des Abends erklärt. Sie ist eine klassische Songwriterin und setzt in ihren Liedern ihre Worte sehr bewusst. Dabei ist sie witzig, melancholisch und ziemlich treffsicher. „Brichst Du mir das Herz, bricht meine Mutter Dir die Knochen…“ – solche Textzeilen voller Ironie und Wortwitz bleiben haften. Reni thematisiert die Suche nach tragender Liebe in Beziehungen und nach Sinn in einer Welt, die mit ihren Büros und Regeln oft trist erscheint. Für mich war sie klar die Gewinnerin des Abends, wobei ich die Songs der anderen auch genossen habe.
Was ist Ihre Botschaft an das Publikum – als Pastor der Gemeinde und als Mitorganisator dieses Wettbewerbs?
Meine Botschaft ist: Macht die Ohren und die Herzen auf. Hört darauf, was anderen wichtig ist. Teilt Worte, die unsere Liebe stark machen, die uns zur Verantwortung rufen. Schätzt auch Worte, die unserer Melancholie und Ohnmachtsmomenten Raum schaffen. Das verbindet uns – mit uns selbst und miteinander. Und dann auch: Wir Prediger:innen sollten uns von den Künstler:innen eine Scheibe Wortwitz und Treffsicherheit abschneiden. Auch unsere Predigten sollten spannend, witzig und tiefschürfend sein.
Wann wünschen Sie sich, dass ein solcher Wettbewerb erneut stattfindet?
Am Freitag, 28. November, um 19 Uhr wird der nächste Poetry Slam in der Johanneskirche Troisdorf stattfinden. Es moderiert wieder Anna-Lisa Azur. Für das nächste Jahr ist ein weiterer Song Slam geplant.
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