Osterbotschaft: Ein Ostern der leisen Töne

von Redaktion EKASuR

04.04.2021

Osterbotschaft von Pfarrer Peter Gottke für den Evangelischen Kirchenkreis An Sieg und Rhein


Ganz ehrlich? Ich habe meine Probleme mit Ostern. Wenigstens immer dann, wenn ich lese: Ostern siegt das Leben über den Tod! Was heißt das denn?

Und wem hilft diese Aussage? Meiner Freundin, die gerade ihren erst 43 Jahre alten Ehemann beerdigen musste? Dem Kollegenehepaar, das um sein totgeborenes Kind trauert? Dem Küster in unserer Gemeinde, der seit seiner Corona-Erkrankung im letzten Jahr jeden Tag mit dem Leben ringt?

Hilft das auch nur einem Menschen, der mit dem Leben ringt oder gerade um einen verstorbenen Menschen trauert? Mir ist das zu platt. Triumph! Sieg! Wo ist denn Gott angesichts des millionenfachen Leids in dieser Pandemie?

Mir ist ein anderes Ostern näher. Ein Ostern der leisen Töne. Ein Ostern, das mich darauf aufmerksam macht, dass Gott eben nicht laut lärmend und triumphal daherkommt. Ein Ostern, das mich lehrt, dass Gott weder ein Wunschautomat noch ein Feuerlöscher ist. So nach dem Motto: Oben 5 Euro reinschmeißen und unten kommt mein Wunsch raus. Oder der jeden Brand einfach löscht, ich muss ihn nur rufen.

Mein österlicher Gott ist ein anderer. Einer, der selber durch ein tiefes Tal gegangen ist, auf den ich mich verlassen kann, wenn Traurigkeit und Verzweiflung kommen. Der mich mit liebevollem Blick anschaut und mir sagt: Du, ich meine dich!

Ja, Ostern ist ein Anlass zur Freude, aber eben einer Freude, die das Leid nicht ausklammert. Ostern ist für mich die einzige Hoffnung in dieser Welt voller Leid.

Ich gebe zu: Mein Glaube an Ostern ist wacklig und brüchig, er kommt nicht fröhlich pfeifend und mit geschwellter Brust daher. Aber dieser Glaube hat mich in meinem ganzen Leben immer wieder getragen.

Er fängt an mit Erinnerungen an das Abendgebet meines Vaters mit uns Kindern, er geht über Diskussionen im Konfirmandenunterricht zur Sinnhaftigkeit des Glaubens, über Glaubens- und Lebenskrisen, in denen ich mich dann doch immer wieder gehalten gefühlt habe von Menschen, die mir zur Seite standen, und von Gott, dem ich mich manchmal ganz nahe gefühlt habe.

Aber es gibt eben auch die anderen Erfahrungen. Die Erfahrungen der Verlassenheit von Menschen und Gott. „Gerettet“ hat mich dann immer wieder die Erinnerung an die Zeiten des Getragenseins. Meine kleinen persönlichen Ostergeschichten.

Ostern? Ein „Ja“ zum Leben! Ganz sicher ein Grund zur Freude! Weil mir die lebensbejahende Liebe Gottes zu uns Menschen in diesen Tagen besonders deutlich wird. Eine Liebe, die das Leid nicht ausklammert oder einfach vom Tisch wischt.

In einem modernen Kirchenlied heißt es: „Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt, bleibe uns ein Fingerzeig, wie das Leben siegt.“

Fröhliche, gesegnete Ostern!

Peter Gottke
Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Troisdorf
Skriba des Evangelischen Kirchenkreises An Sieg und Rhein

Foto: Petra Steuer-Metzger