Tanja Keuren (v.l.) und Dr. Caspar Jürgens bei der Zertifikatsübergabe mit Superintendentin Almut van Niekerk.

„Der Kurs ist ein Wert an sich“

von Anna Neumann

08.01.2026

Mit einem Infoabend am 15. Januar beginnt der neue Kurs „Seelsorgeausbildung für Ehrenamtliche“. Dazu sind Interessierte herzlich eingeladen - es sind noch ein paar Plätze frei.


Der Kurs habe Spaß gemacht und sei ein Wert an sich, berichten zwei Menschen, die ihn absolviert haben. Tanja Keuren ist von Beruf Speditionskauffrau und war in einem internationalen Unter-nehmen tätig. Da sie lieber mit Menschen als mit Waren arbeiten wollte, absolvierte sie eine weitere Ausbildung zur Management-Assistentin. Seit vier Jahren ist sie für die evangelische Kirche tätig. Sie möchte sich gern als ehrenamtliche Seelsorgerin in ihrer evangelischen Kirchengemeinde engagieren. Auch der Jurist Dr. Caspar Jürgens ist ehrenamtlich tätig als Seelsorger – in einem Krankenhaus.

Bei Caspar Jürgens (67) hat sich im Laufe des Kurses geklärt, in welchem Bereich er als Seelsorger aktiv werden will. So kam der pensionierte Jurist in die Krankenhausseelsorge. Entscheidend dafür sei gewesen, dass er in Bonn „ein sehr gut geführtes Haus“ und dort eine „exzellente, sehr erfahrene Krankenhauspfarrerin“ gefunden hat. Zur Abnahme kirchlicher Präsenz in Krankenhäusern merkt er dabei an, dass seines Erachtens die mit Seelsorge verbundenen vielfältigen Aufgaben in den Strukturen speziell von Krankenhäusern auch in Zukunft keinesfalls nur ehrenamtlich erfüllt werden können.

Im Krankenhaus begegne er Menschen in existenzieller Situation, zwar „nicht immer, aber immer wieder“. Das verändere die „Ansprechbarkeit“. Die Türe gehe auf – und zwei einan-der in der Regel völlig Fremde begegnen sich. Der Seelsorger sagt: „Ich werde beschenkt.“

Das Geschenk sei die Offenheit im Gespräch. Auf Station treffe er auf Patienten, bei de-nen es nicht unbedingt Spitz auf Knopf stehe. Ein Krankenhausaufenthalt sei eben nicht Alltag und allein deshalb nicht selten ernst. Wenn es sich so ergibt, dann „schauen wir gemeinsam auf die Situation und auch mögliche Perspektiven an, ja, und im Einzelfall wird auch über den Glauben gesprochen.“ Es kommt auf das Gespräch an, über das der Patient und die Patientin entscheidet.

Tanja Keuren (55) erzählt, dass sie die Ausbildung angefangen hat, weil sie als Gemein-de-sekretärin „oft die erste Anlaufstelle“ ist, etwa in einem Trauerfall. „Ich möchte adäquat reagieren können.“ Heute ist sie darüber hinaus im Besuchsdienst aktiv, sie ist also tat-sächlich auch – wie vorgesehen – ehrenamtlich seelsorglich aktiv.

Was also kann man in der Seelsorgeausbildung für Ehrenamtliche lernen? Tanja Keuren sagt: „Mein großer Lernfaktor war: Das Zuhören ist das Wichtigste.“ Entsprechende Tech-niken wisse sie heute gut umzusetzen. Damit ist u.a. gemeint: öffnende Fragen formulieren und Menschen zum Erzählen einladen.

Selbstreflexion nennen die beiden als weiteres großes Plus der Ausbildung. Wo ist mir selbst der Tod begegnet? Wie habe ich selbst Seelsorge erfahren? Vielfältige Erfahrungen haben sie im Kurs miteinander ausgetauscht. Caspar Jürgens kommentiert das so: „Der Kurs ist ein Wert an sich.“ Jeder habe ein Päckchen zu tragen, eine Leiderfahrung. “Das wandelt sich in ein Geben.“

Wer ein Ehrenamt sucht, sollte sich eines suchen, das Spaß macht, heißt es in der Freiwil-ligenarbeit prinzipiell. Das ist für Caspar Jürgens, der sich auch als Prädikant und Geistli-cher Begleiter engagiert, „der falsche Begriff“. Tanja Keuren: „Spaß würde ich das auch nicht nennen.“ Sie sagt: „Mir gibt es Wärme, wenn ich jemandem habe helfen können.“ Caspar Jürgens: „Ich wäre mit weniger zufrieden.“ Beschenkt sein von einem „schönen offenen Gespräch“, das Da-Sein für einen Moment zu teilen: das bereite ihm „innere Freude“.

Und doch, die Vokabel hat sehr wohl einen Platz: „Die Supervision macht Spaß“, sagt Caspar Jürgens. Tanja Keuren betont: „Der Kurs selbst hat Spaß gemacht!““

Seelsorgeausbildung für Ehrenamtliche