Referent Thomas Schlag mit den Schulreferentinnen Hiltrud Stärk-Lemaire und Beate Sträter (Mitte). Foto: Uta Garbisch

Demokratie braucht gute Geschichten

von Redaktion EKASuR

03.12.2025

„Demokratie ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr.“ Mit dieser Feststellung begrüßte Schulreferentin Hiltrud Stärk-Lemaire die Teilnehmenden beim diesjährigen Tag des Religionsunterrichts.


Manches mache zu schaffen. „Woher kommt da die Lust das Demokratie?“ Demokratie wolle gelebt und gelernt werden, so Stärk-Lemaire. „Welchen Beitrag leistet unser Fach?“ Dazu war der Zürcher Religionspädagoge Prof. Dr. Thomas Schlag gekommen. Der Titel seines Impulsreferats: „,Mehr Demokratie wagen‘?! Provokative Beleuchtungen des Religionsunterrichts in dunkler werdenden Zeiten“.

„Demokratie braucht gute Geschichten“, so Schlag, sowie „Beteiligungs- und Gestaltungsräume, in denen Bürgerinnen und Bürger Zukunft mitdenken können, nicht nur Regeln verwalten“. Religiöse Bildung sollte Schreckens- und Angstbilder nicht noch zusätzlich aufheizen, sondern vielmehr nach einer „lebensdienlichen Perspektive“ suche.

Dient es dem friedlichen Leben?

Im anschließenden Austausch erinnerte Schulreferentin Beate Sträter daran, dass viele Unterrichtende mit Schülerinnen und Schülern konfrontiert seien, „die so ganz gegen Demokratie sind“. Schlag plädierte dafür, nach den Konsequenzen einer solchen Position zu fragen: „Dient sie einem guten und friedlichen Leben oder zerstört sie?“. Dann sei man sofort im Gespräch. Es gehe darum, dafür einen Raum zu schaffen.

Aber natürlich gebe es Positionen, wo man nur ‚Stopp‘ sagen könne: „Das geht nicht, aus verfassungsrechtlichen und Christlich-Theologischen Gründen.“ Zudem warb Schlag für fächerübergreifenden Unterricht bei Themen wie Krieg und Frieden oder eben Demokratie. Die Frage dabei: „Was würde drohen, wenn …“. Der Religionsunterricht könne hier gut mit Fächern wie Deutsch, Geschichte und Politik zusammenarbeiten.

Religionsdidaktisch sei die Haltung der Lehrenden selbst von entscheidender Bedeutung. Stichwort Positionalität. Sie meint, dass die Lehrkraft ihre eigene Überzeugung im Religionsunterricht offenlegen kann. Es gehe insofern um die Transparenz, Erprobung und Reflexion der unterschiedlichen Positionen, auch das Aushalten von Ambiguität, „um so bestehenden Meinungsunterschieden wirklich den notwendigen Raum zu geben“.

Workshops am Nachmittag

Am Nachmittag vertieften die gut achtzig Lehrerinnen und Lehrer das Thema in Workshops für alle Schulformen. Unter anderem ging es anhand des Bilderbuchs „Was WÜRDEst du tun?“ um die Frage, wie man schon Grundschulkinder für Würde und Verantwortung sensibilisieren kann. Ein Markt der Möglichkeiten bot theoretische Inputs und praktische Übungen, um Demokratie erfahrbar und erlebbar zu machen.

Chrissi Sauer und Michael Schäfer boten einen theaterpädagogischen Workshop an. Hier entstand ein Stück, in dem alle sich selbst erleben im Zusammenspiel mit den anderen. Uwe Grieser befasste sich in seinem Workshop mit „Die Sehnsucht nach dem starken Mann – Biblische Helden und ihre schwierigen Seiten am Beispiel Gideons“.

Der Tag des Religionsunterrichts findet alljährlich und nun schon zum 28. Mal am Buß- und Bettag unter der Regie der Schulreferentinnen Beate Sträter und Hiltrud Stärk-Lemaire zu einem Schwerpunktthema statt. Der ganztägige Termin im Bonner Haus der Kirche mit vielen Angeboten der Mediothek ist Treffpunkt der evangelischen Religionslehrkräfte an den allgemeinbildenden Schulen in den Kirchenkreisen An Sieg und Rhein, Bad Godesberg-Voreifel und Bonn.

Autorin: Dr. Uta Garbisch

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