Inmitten der Ausstellung über Kirchenasyl: Henning Lübbecke (l.) aus Beuel und Pfarrer Richard Landsberg aus Holzlar.

Bett, Brot und Beziehungen geben Hoffnung

von Anna Neumann

30.06.2026

Ein Tisch, ein Brotlaib, ein Bett - diese einfache Installation steht symbolisch für das Kirchenasyl. Sie ist Teil der Ausstellung "Zuflucht geben - gemeinsam hoffen", die derzeit in Bonn zu sehen ist


Genauer gesagt: Drei B’s sind wichtig für ein Kirchenasyl: Bett, Brot und Beziehungen. Knallorange angemalt, sind die Objekte ein Hingucker der Wanderausstellung, die bis 10. Juli im Evangelischen Gemeindezentrum Nommensen-Kirche in Bonn-Pützchen gezeigt wird. Die Ausstellung des Ökumenischen Netzwerks Asyl in der Kirche NRW lebt von den Porträts von Geflüchteten, aufgezogen auf Stellwände. Zum Beispiel Mamadou aus Guinea, 21 Jahre, der so zitiert wird: „Wenn ich in meine Heimat zurückkehre, ist mein Leben in Gefahr.“ Zum Beispiel Razeya aus Afghanistan, ebenfalls 21 Jahre, die bekennt: „Für mich war es sehr schwer, ganz allein im Kirchenasyl zu sein.“

Kirchenasyl ist die zeitlich befristete Aufnahme von Menschen, die vor Krieg, Armut, Perspektivlosigkeit und Gewalt geflohen sind, denen Abschiebung droht und deren Fall noch einmal überprüft werden soll. Konkret leben die Betroffenen dann in Räumen, in denen die Kirchengemeinde das Hausrecht hat. Über seine Erfahrungen mit Kirchenasyl sprach Pfarrer Richard Landsberg aus der Nachbargemeinde Holzlar bei der Vernissage in Pützchen. Abschiebungen in Länder an den EU-Außengrenzen wie Kroatien, Bulgarien und Rumänien wären häufig eine unzumutbare Härte, so Landsberg. Geflüchtete erlitten dort häufig Misshandlungen.

Die Evangelische Kirchengemeinde Beuel, Gastgeberin der Ausstellung, hat zwar einen positiven Grundsatzbeschluss zum Kirchenasyl gefasst. Doch konkret gab und gibt es keine Gewährung von Kirchenasyl. Das liege an einer Vielzahl aktueller Aufgaben wie Fusion, klimaneutrale Umwandlung von Gebäuden und Umstellung bei der Jugendarbeit, so Presbyter Henning Lübbecke. „Sobald sich das entspannt, sind wir dabei“, sagt Lübbecke, der dann auch der richtige Ansprechpartner dafür in der Beueler Kirchengemeinde ist. Durch die Ausstellung hofft er, mehr Verständnis für das Thema zu wecken und den Kreis von Unterstützer*innen auszubauen.

Die Besucher*innen der Ausstellungseröffnung nutzten intensiv die Möglichkeit, Fragen rund ums Kirchenasyl beantwortet zu bekommen. Die Gewährung sei „viel leichter als man denkt“, erklärte Pfarrer Landsberg. Gemeinden müssen sog. Dossiers einreichen, aus denen hervorgeht, warum eine Abschiebung unzumutbar ist. Dabei helfe das Ökumenischen Netzwerk. Eine wichtige Hilfe sei auch der Bonner Verein Medinetz, der Kontakt zu Ärzten vermittelt, die Menschen ohne Papiere helfen. Praktisches Beispiel: Der aktuelle Mann im Holzlarer Kirchenasyl hat taube Finger. Nötig ist zweierlei: eine Behandlung und zuvor die Klärung oder auch Beweissicherung einer möglichen Misshandlung während der Flucht.

Was muss eine Gemeinde leisten? Für Verpflegung sorgen, einen Raum bereithalten, am besten auch Begegnungen, vielleicht auch Deutschunterricht initiieren. Im Prinzip achten hiesige Behörden Kirchenasyl, solange die Geflüchteten wirklich in den kirchlichen Räumen bleiben. Kirchenasyl verlange nicht zwingend Betreuung, aber Kontakte von Unterstützer*innen tun natürlich gut und helfen gegen Gefühle von Einsamkeit, machte Landsberg deutlich. Und: Kirchenasyl dauert oft genug nur wenige Monate oder sogar nur ein paar Wochen – in dieser Zeit müsse keine komplette Integration erfolgen – jedenfalls könne er selbst das jeweils nicht leisten.

Mit Blick auf die ICE-Eskalationen in den USA, aber auch auf die sich gerade ändernde politische Lage in Deutschland bezüglich Abschiebungen sagte Pfarrer Landsberg, wenn Recht gebrochen werde, „um Leute abzuschrecken, geht etwas schief“. Dagegen müsse man sich sträuben. Sein Argument: Schon in der Bibel ist von Zufluchtstätten für Geflüchtete die Rede.

Die Ausstellung macht an sechs Orten in Bonn Station, Pützchen ist die vorletzte. Im dortigen Gemeindehaus, Am Weidenbach 21, 53229 Bonn, ist sie mittwochs von 9 bis 17 Uhr geöffnet, außerdem nach Gottesdiensten oder auch nach Absprache. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Bei der Finissage am 10. Juli, 18 Uhr, unter dem Motto „Nach dem Kirchenasyl“ geht es um soziale Arbeit mit Geflüchteten. Gesprächspartner kommen vom Verein „Ausbildung statt Abschiebung“ und dem Haus Mondial der Bonner Caritas. Anschließend wandert die Ausstellung in die Matthäikirche, Gutenbergstraße 10, 53123 Bonn.

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