„Gemeinde ist ein Gemeinschaftsprojekt“
von Anna Neumann
17.07.2026
Der Unterschied: Herkömmlich ist eine Pfarrperson für Verkündigung und Seelsorge zuständig. Jetzt bilden Pfarrerin und Diakon ein gleichberechtigtes Team. „Die Arbeit ist völlig äquivalent“, erklärt Selma Gieseke-Hübner. Markus Schlimm ist seit vielen Jahren als ordinierter Diakon in der Gemeinde tätig. Wie die Pfarrerin tauft und traut er, leitet Gottesdienste, Konfirmationen und Beerdigungen, ist ansprechbar für Seelsorge und Beratung, neben vielen weiteren Aufgaben. Über den neuen gemeinsamen pastoralen Dienst sagt er: „Es geht um das Wir in der Arbeit und eine gemeinsame Gestaltung der Aufgabenbereiche.“
„Gemeinde ist ein Gemeinschaftsprojekt“, erklärt Pfarrerin Gieseke-Hübner ihre persönliche Sicht. Dementsprechend führt ein Team die Geschicke der Gemeinde, wozu sie unbedingt auch das Presbyterium zählt. „Als Pfarrperson stelle ich mich in eine Reihe mit allen anderen, die im Haupt- und Ehrenamt die Gemeinde leiten.“ So gewinne auch ihr Kollege mehr Raum. Beide arbeiten in Vollzeitstellen.
Sie beide seien sehr unterschiedlich auch in der Arbeitsweise, „aber einer Meinung, wie wir Gemeinde vorantreiben möchten“. Und die Kombination sei gut: Eine Frau, ein Mann. Ein Kollege, der Gemeinde und Ort schon lange kennt, und eine Kollegin, die noch vor gar nicht langer Zeit als neue Gemeindepfarrerin nach Seelscheid gekommen ist.
Markus Schlimm freut sich über die neue Team-Konstruktion, die rückwirkend zum 1. Mai gilt. Das GPA mache seinen Beruf auf neue Weise attraktiv, weil er sich weiterentwickeln kann. Konkret wird er nicht länger bei Kinder- und Jugendarbeit stehenbleiben. „Das tut gut.“
Praktisch teilen beide die Aufgaben redlich und entscheiden jeweils, was sinnvoll ist und passt, manchmal wirklich auch im Einzelfall. Prinzipiell sind bei der Kinder- und Jugendarbeit nun beide engagiert. Markus Schlimm gibt sie gar nicht komplett auf, beschränkt sich aber heute auf die Grundschulgottesdienste. Selma Gieseke-Hübner hat die Gottesdienste für Kinder vor dem Schulalter und bei Anfragen auf weiterführenden Schulen übernommen. Die Konfirmandenarbeit gestalten beide gemeinsam.
Bei den gemeindlichen Angeboten in der Kinder- und Jugendarbeit steigt Seelscheid zum 1. August in eine Konstruktion ein, die die Kreissynode gerade erst vor wenigen Wochen auf den Weg gebracht hat: Seelscheid teilt sich mit der Evangelischen Emmaus-Gemeinde Lohmar Jugendleiterin Maike Bernhardt, angestellt zentral über das Evangelische Jugendwerk Sieg-Rhein-Bonn. Form follows Function – für die innovativen Arbeitsweisen haben sich die nötigen Formen gefunden. Gieseke-Hübner: „Das GPA ist ein Schritt auf dem Weg zu einem multiprofessionellen Team.“
Stichwort GPA
Zum GPA, das im Evangelischen Kirchenkreis An Sieg und Rhein auch in der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Honnef praktiziert wird, gehören Verkündigung, Seelsorge, Bildungsarbeit, Diakonie und Leitung. Der oder die Mitarbeitende aus dem gemeindepädagogisch-diakonischen Dienst bleibt im BAT kirchlicher Fassung, während die Pfarrperson verbeamtet ist.
Der bzw. die Mitarbeitende übernimmt keine Pfarrstelle, aber mit der Formulierung „Stelle besetzt durch GPA, andere Berufe“ wird die Position sehr wohl im Pfarrstellenplan eingetragen. Wie die Pfarrperson hat auch der bzw. die Mitarbeiter*in im GPA Sitz und Stimme im Presbyterium.
Eingerichtet wird ein GPA auf folgendem Weg, der in Seelscheid in den vergangenen Monaten erfolgt ist: Umfang und Zweck des GPA sind in einer Konzeption zu beschreiben. Die Meinung der Gemeindemitglieder ist in einer Gemeindeversammlung zu hören. Der Beschluss ist dann schließlich dem Presbyterium vorbehalten. Der Kreissynodalvorstand genehmigt die Einrichtung des GPA schlussendlich.
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Seelscheider Gemeinde-Website