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KIRCHENKAMPF AN SIEG UND RHEIN Portrait 2: Pfarrer Wilhelm Hartig in Herchen 1918-1938(+)

06.01.20
Barmer BK-PrĂĽfungskommission, unter anderem mit Johannes Schlingensiepen (2. v. l. ) und Wilhelm Hartig (4. v. l. ). Foto: Bildarchiv der EKiR

Unter den hier vorgestellten Theologen der Bekennenden Kirche (BK) im Gemeinde-Pfarrdienst war Dietrich Wilhelm Hartig in Herchen wohl besonders profiliert. Die „Ehrentafel“ der Bekennenden Kirche (BK) von Joachim Beckmann und Hans Prolingheuer führt ihn als einzigen Vertreter der Bonner Bruderschaft im Barmer Konvent auf.

Hartig selbst entstammte nicht wie oft üblich einer Pfarrerfamilie. Sein Vater war Schmied im kleinen Ruhrort Meiderich, das dürfte ihn geprägt haben. Geboren am 3. Februar 1877, studierte er Theologie in Erlangen, Halle und Bonn, begann 1902 sein Vikariat im erweckungsgeprägten Nümbrecht, danach Hilfsdienst in Friemersheim. Er diente als Synodalvikar in Engelskirchen und lernte auch bei der Inneren Mission in Godesberg – eine breite berufliche Basis. Nach einer ersten Pfarrstelle in Kirchherten von 1911 bis zum Weltkriegsende 1918 wurde er als Pfarrer in Herchen gewählt – diese Stelle hatte er bis zu seinem frühen, auch dem Einsatz für die BK geschuldeten Tod im Jahre 1938 inne.

Die evangelische Kirchengemeinde Herchen ist eine der sieben Gemeinden unseres heutigen Kirchenkreises An Sieg und Rhein, die schon im Reformationsjahrhundert protestantisch wurden und das auch blieben – wie das linksrheinische Kirchherten. In Herchen hatte Wilhelm Hartig 15 Jahre Zeit, seine Gemeinde zu prägen, bis er zum BK-Vertreter der ersten Stunde wurde: als Teilnehmer des ersten Konvents der Rheinischen Pfarrerbruderschaft im Oktober 1933 in Düsseldorf, einer von 30, mit Heinrich Held, Paul Humburg, Joachim Beckmann. Zugleich war er gewählter Vertrauensmann der Bonner Bruderschaft im Barmer Konvent.

Gleichwohl kann es im ländlich-konservativen Umfeld Herchens so einfach nicht gewesen sein: Er und sein treuer Kirchmeister Albrecht Land werden in der Gemeindechronik Herchens als Stützen und Zeugen der Gemeinde in einer Zeit bezeichnet, in der, wie es dort diplomatisch steht, viele Gemeindeglieder das wahre Wesen der Deutschen Christen (DC) zunächst nicht durchschauten: „Er ging als Warner durch die Gemeinde, die dann auch sehr bald erkannte, dass diese neue Glaubensbewegung gegen Schrift und Bekenntnis stand.“ Schon 1934 beschloss das Presbyterium einheitlich und förmlich, sich der BK im Rheinland anzuschließen – außer dem weiterhin DC-treuen Ortsteil Röcklingen. Das Konsistorium in Düsseldorf löste daraufhin wie üblich die Gemeindevertretung auf, doch Hartigs Presbyterium führte nun die Kollekte ebenso konsequent an die BK ab, und der Ort stand dazu.

Viele Vorträge und laut Konsistorium „illegale“ Informationsabende der BK fanden hier in Herchen statt. Doch das brachte Hartig auch besondere zusätzliche Belastungen im Lehramt und im stets geheim tagenden Prüfungsausschuss der BK in Unterbarmen – Johannes Schlingensiepen beschrieb anschaulich diese gefährlichen konspirativen Treffen (Gestapo-Überwachung!).

Nicht zuletzt dies schwächte den herzkranken 60-jährigen noch mehr; im März 1938 verstarb der Vater dreier Kinder nach einer solchen Prüfung im Krankenhaus Solingen an Herzmuskellähmung. Präses Paul Humburg und Heinrich Held waren in Herchen unter den Trauergästen.

Beitrag: Holger Weitenhagen / Ulrike Ritgen

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