Evangelischer Kirchenkreis An Sieg und Rhein

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37. Kirchentag in Dortmund – wenn aus Fremdheit Vertrautheit wird

05.07.19
Ein Fest nicht nur für evangelische Gläubige, sondern für jeden mit einem offenen Geist für Austausch: der Deutsche Evangelische Kirchentag.

Fünf Tage, 2400 Veranstaltungen, 118000 Besucher – der 37. Kirchentag in Dortmund vom 19. bis 23. Juni war nicht nur Bühne für Vertreter aus Kirche, Politik und Kunst, sondern auch ein Fest kirchlicher Gedanken, des Miteinanders und sozialer Diskussionen. EKASUR-Werkstudent Marlon Jungjohann war zum ersten Programmtag mit dabei und schildert seine Eindrücke.

Der Donnerstag des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentags beginnt mit einem blauen Himmel und ist sommerlich warm. Bereits als sehr erhitzt an diesem Vormittag erlebe ich die Stimmung, als ich das Podiumszelt „Geschlechterwelten“ betrete. Hier liefern sich Sexarbeiterin und Aktivistin Kristina Marlen aus Berlin und die Bielefelder Soziologin Dr. Barbara Kuchler einen kleinen Schlagabtausch über die Rolle und das Selbstbewusstsein der modernen Frau. Die eine plädiert für sexuelle Offenheit, auch im Bezug auf Kleidung, die andere fordert weniger körperbetonte Frauengarderobe, um struktureller Unterdrückung entgegenzuwirken – und erntet Buh-Rufe aus den voll besetzten Zuschauerreihen. Einen gemeinsamen Punkt finden die beiden zum Abschluss des Gesprächs nicht.

Das Zelt „Geschlechterwelten“ ist der erste Veranstaltungsort, den ich beim Kirchentag besuche. Es steht inmitten einer ganzen Landschaft von Bühnen und Podien nahe dem Borussia-Stadion und ist eines von insgesamt 260 Aktionszelten, die im ganzen Dortmunder Stadtgebiet aufgebaut sind. Diskussionen, Performances oder Mitmach-Aktionen bieten hier den Platz für eine ganze Reihe an kirchlich, gesellschaftlich und kulturell bedeutsamen Themen. Kernfragen in diesem Jahr: Umweltschutz und Migration. Da ist nicht nur Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als einer von 2650 Gästen aus der ganzen Welt eingeladen, sondern auch Grünen-Chef Robert Habeck oder „Fridays For Future“-Aktivistin Luisa Neubauer.

Stolz sein auf das Miteinander

Am Nachmittag will ich unbedingt zur großen Halle, da steht die Veranstaltung „Gemeinsam für offene Häfen in Europa“ an – mit Leoluca Orlando als Stargast, dem Bürgermeister der Sizilianischen Hauptstadt Palermo. Der hat sich in den vergangenen Jahren für Bootsflüchtlinge und die Aufnahme von Migranten stark gemacht. Nun soll er gemeinsam mit Flüchtlingshelfern und anderen Oberbürgermeistern wie Thomas Geisel aus Düsseldorf über eine menschliche Flüchtlingspolitik diskutieren. Doch als ich mich durch die Massen der Konfirmationsgruppen, Grüne-Kirchentagsschal-Träger und bunt gekleideten Kirchentag-Fans durchkämpfe, erspähe ich Joachim Gauck, Bundespräsident a.D., auf dem „roten Sofa“, einer der Haupttribünen. Gerade spricht er über Angst vor dem Fremden und will Mut machen. „Fremdheit kann sich verwandeln in Vertrautheit“, sagt er.

Große Worte von großen Persönlichkeiten höre ich dann auch bei „Gemeinsam für offene Häfen in Europa“. Der Bürgermeister von Palermo spricht von einer „Schande“ mit Blick auf die Lage der Flüchtlinge auf dem Mittelmeer. Gleichzeitig wolle er sich „bei den Deutschen bedanken für ihre Willkommenskultur. Sie können darauf stolz sein.“ Der Geist von Europa sei ein Geist dieser Willkommenskultur. Mehrere Tausend Zuschauer in der Halle klatschen Beifall, Standing Ovations inklusive. Ich bin sehr berührt von diesem Bild, einem so deutlichen Zeichen für Menschlichkeit und für ein Miteinander. Die Nachredner Orlandos, unter anderem Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, oder der Düsseldorfer Oberbürgermeister schließen sich dem an.

Einheit, Verständigung, Freundschaft

Es ist eine Stimmung, ein offener, weltgewandter Blick auf die Dinge, die ich über den ganzen Tag hinweg bei den Besuchern und den Veranstaltungen des Kirchentags erlebe. Beim „Markt der Möglichkeiten“ in den Messehallen stellen sich Menschenrechtsorganisationen und Künstlergruppen vor. In der Innenstadt, am Hauptbahnhof, ist der „Pavillon der guten Nachrichten“ aufgebaut, eine begehbare Kugel, in der die Besucher grüne Mut-Mach-Zettel schreiben und als Blätter an einen Baum hängen können.

Den ganzen Evangelischen Kirchentag begleitet ein Geist der Einheit, der Verständigung und der Freundschaft. Alter, Herkunft und sogar Konfession spielen hier nur insoweit eine Rolle, als dass sie Teil eines allumfassenden Austauschs sind.

Als ich nach Hause fahre, fängt es an zu regnen. Der erste Programmtag neigt sich noch mit einigen Konzerten dem Ende zu. Eine Menge Diskussionen wurden geführt und viele sollen noch in den nächsten Tagen dazukommen. Einige werden nicht in diesen Tagen beendet werden können, aber ihre Fragen werden zu den Menschen und auch in die Gemeinden rausgetragen werden und neue Denkanstöße bewegen.

Autor: Marlon Jungjohann

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