Evangelischer Kirchenkreis An Sieg und Rhein

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Mutmacher auf dem Weg ins Berufsleben

28.03.18
Foto: Claudia Rometsch/DiakonieRWL

Foto: Claudia Rometsch/DiakonieRWL

Patenschaften, die mehrere Jahre dauern: Das macht den Erfolg des Diakonie-Projekts PfAu aus.

Der Arbeitsmarkt brummt und manche Betriebe suchen h├Ąnderingend Nachwuchs. Dennoch finden in Nordrhein-Westfalen jedes Jahr Tausende Jugendliche keinen Ausbildungsplatz. Die Freiwilligen-Agentur der Diakonie An Sieg und Rhein vermittelt deshalb ehrenamtliche Paten an Sch├╝ler, die Hilfe beim ├ťbergang ins Arbeitsleben brauchen.

Anna-Lena wei├č heute, was sie will. Sie f├╝hlte sich orientierungslos, als sie gegen Ende ihrer Realschulzeit ├╝ber einen k├╝nftigen Beruf nachdenken sollte. "Ich hatte mir nie so richtig Gedanken gemacht, was als N├Ąchstes kommt", sagt die Sch├╝lerin. Und dann waren da auch noch Schw├Ąchen in Englisch und eine F├╝nf in Mathe. Dennoch schloss die heute 17-J├Ąhrige die Realschule schlie├člich erfolgreich ab. Aus der F├╝nf in Mathe war eine Drei geworden. Und sie wei├č jetzt genau, in welche Richtung es beruflich gehen soll. Zu verdanken habe sie das ihrem Paten Uwe Gessel, sagt die junge Frau: "Ohne ihn h├Ątte ich nicht das gefunden, was mir entspricht."

PfAu unterst├╝tzt Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler

Uwe Gessel und Anna-Lena sind eines von 32 Patenschafts-Tandems des Projekts Paten f├╝r Ausbildung (PfAu) der Freiwilligen-Agentur f├╝r den Rhein-Sieg-Kreis unter dem Dach des Diakonischen Werks An Sieg und Rhein. Zusammengebracht werden die Tandems durch die Kooperation mit mehreren Real-, Haupt- und F├Ârderschulen im rechtsrheinischen Teil des Rhein-Sieg-Kreises. So war es auch bei Anna-Lena. Als die Klassenlehrerin ihr anbot, an dem Patenschafts-Programm teilzunehmen, griff die Sch├╝lerin sofort zu.

In den elf Jahren seit der Gr├╝ndung des Projekts gegen Jugendarbeitslosigkeit betreuten die ehrenamtlichen PfAu-Paten rund 240 Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler. "Sie zeigen ihnen Perspektiven auf und unterst├╝tzen sie bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz", erkl├Ąrt Projekt-Koordinatorin Michaela Harmeier.

Job-Boom kommt nicht bei benachteiligten Jugendlichen an

F├╝r viele Jugendliche ist das eine entscheidende Hilfe. "Insbesondere benachteiligte Jugendliche brauchen dringend Unterst├╝tzung beim ├ťbergang von der Schule in den Beruf", sagt Ina Heythausen, Referentin f├╝r Arbeitsmarktpolitik bei der Diakonie RWL. Denn bei dieser Gruppe kommt die gute Lage am Arbeitsmarkt nicht an.

Landesweit kommen auf 100 arbeitssuchende Jugendliche lediglich 81 Ausbildungspl├Ątze. Aktuell suchen laut Statistik der Bundesagentur f├╝r Arbeit in NRW noch mehr als 7.000 Schulabg├Ąnger aus dem Ausbildungsjahr 2017 eine Lehrstelle. Hinzu kommen diejenigen, die mangels Alternative zun├Ąchst einen Job aufgenommen haben oder weiter zur Schule gehen, aber nach wie vor eine Ausbildung anstreben.

Verlierer sind vor allem Hauptsch├╝ler, von denen laut Bertelsmann Stiftung nur jeder Zweite einen direkten Einstieg in die Ausbildung findet. Auch Jugendliche ohne Abschluss, mit Lernschw├Ąchen oder mit ausl├Ąndischem Pass haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt. F├╝r sie werde nicht genug getan, kritisiert Heythausen. Die Landesregierung f├Ârdere zwar Ma├čnahmen zur Berufsorientierung f├╝r alle Jugendlichen. "Benachteiligte Jugendliche, die von ihren Eltern nicht unterst├╝tzt werden, brauchen aber mehr und kontinuierlicher Hilfe als andere." Um die Probleme am Ausbildungsmarkt zu mildern, ist f├╝r Heythausen eine regionale Netzwerkarbeit entscheidend, in der Schulen, Eltern, Sozialp├Ądagogen und Firmen vor Ort langfristig zusammenarbeiten.

Gemeinsam St├Ąrken herausarbeiten

Genau hier springen die Paten des Projekts PfAu ein. Sie begleiten die Jugendlichen oft mehrere Jahre und seien weit mehr als Nachhilfelehrer in Sachen Ausbildungssuche, sagt Harmeier. "Die Paten sind oft auch Vorbild und Mutmacher." Als Uwe Gessel vor zwei Jahren die Patenschaft ├╝ber Anna-Lena ├╝bernahm, half der studierte Chemiker ihr zun├Ąchst einmal, ihre Leistungen in Mathe und Englisch zu verbessern. Er zeigte ihr zudem, wie sie am besten Vokabeln paukt, wo es im Internet gute Lernseiten gibt und welche B├╝cher oder Nachschlagewerke weiterhelfen.

Ganz entscheidend waren und sind f├╝r Anna-Lena allerdings die vielen ausf├╝hrlichen Gespr├Ąche mit ihrem Paten. Gemeinsam arbeiteten sie Anna-Lenas St├Ąrken heraus. "Ich habe mich dadurch selbst viel besser kennengelernt", sagt die Sch├╝lerin. Nachdem der Realschulabschluss mit Unterst├╝tzung des Paten gut geschafft war, wechselte sie zun├Ąchst an ein Berufskolleg mit dem Schwerpunkt Gesundheit und Soziales. Mittlerweile hat sie ihren Wunschberuf fest im Blick: Nach dem Fachabitur m├Âchte Anna-Lena eine Ausbildung zur Orthop├Ądietechnikerin machen.

Die Freiwilligenagentur schult und begleitet Paten

F├╝r Uwe Gessel ist Anna-Lena bereits seine vierte Patenschaft im PfAu-Projekt. Schon w├Ąhrend seines Arbeitslebens hatte der Rentner in seinem Unternehmen mit der Ausbildung Jugendlicher ohne Schulabschluss zu tun. "Bis auf eine Ausnahme haben wir damit gute Erfahrungen gemacht." Durch einen Zeitungsartikel wurde Gessel auf PfAu aufmerksam und f├╝hlte sich gleich angesprochen.

Auf seine Aufgabe vorbereitet wurde er wie alle Paten durch einen eint├Ągigen Workshop. Au├čerdem l├Ądt die PfAu-Koordinatorin die Paten zu regelm├Ą├čigen Treffen ein, bei denen Probleme besprochen werden k├Ânnen. Gessel hat die Erfahrung gemacht, dass es guttut, mit den Jugendlichen nicht nur am Tisch zu sitzen. "Ich gehe mit ihnen auch mal raus. Was f├╝r interessante Gespr├Ąche da oft zustande kommen!" So stellte sich zum Beispiel heraus, dass Anna-Lena sich f├╝r die Zeit des Nationalsozialismus interessiert. Gessel besuchte deshalb mit ihr das NS-Dokumentationszentrum in K├Âln und sogar das Anne Frank Museum in Amsterdam. Sie sei dankbar f├╝r das, was ihr Pate ihr erm├Âglicht habe, sagt Anna-Lena. "Ohne ihn w├Ąre ich nicht auf die Idee gekommen, in ein Museum zu gehen."

Text: Claudia Rometsc/Diakonie RWL

Patinnen und Paten f├╝r Ausbildung gesucht!

Haben Sie Interesse? Dann melden Sie sich bei der Freiwilligen-Agentur f├╝r den Rhein-Sieg-Kreis, PfAu - Paten f├╝r Ausbildung

Dr. Michaela Harmeier und Birgit Binte-Wingen
02241 25215 20, pfau@diakonie-sieg-rhein.de

 

 

 

 

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