Evangelischer Kirchenkreis An Sieg und Rhein

Zeughausstraße 7-9 | 53721 Siegburg | Telefon: 02241 - 54940 | www.ekasur.de

KIRCHENKAMPF AN SIEG UND RHEIN Portrait 1: Pfarrer Wilhelm Langrehr, Seelscheid (1932-1945+)

02.12.19
Foto: Evangelische Kirchengemeinde Seelscheid
Pfarrer Wilhelm Langrehr (1932-1945) Foto: Evangelische Kirchengemeinde Seelscheid

Von allen Pfarrern der Bekennenden Kirche (BK) an Sieg und Rhein hatte Friedrich Wilhelm Langrehr, Sohn des Pfarrers Johann Wilhelm Langrehr in Hagen, fraglos das schwerste Schicksal. Mit ihm soll daher diese kleine Portraitreihe begonnen werden.

Schon seine DienstĂŒbernahme 1932 in der seit 1581 bestehenden Landgemeinde Seelscheid vom Deutschen Christen (DC) und radikalen ThĂŒringer Nationalkirchler Heinrich Weinmann, Enkel des Generalsuperintendenten Valentin Umbeck, gestaltete sich schwierig. Zwar musste Weinmann nach nur sechs Jahren nach Koblenz-Pfaffendorf weiterziehen, auch weil seine PfarrtĂ€tigkeit nicht nach dem Geschmack der Seelscheider Tradition war, gleichwohl hinterließ er viele einflussreiche AnhĂ€nger in der Gemeindeleitung. So kam es, dass der junge Langrehr sich bis 1945 mit einem zwölfköpfigen Presbyterium auseinandersetzen musste, das exakt zu je einem Drittel aus AnhĂ€ngern der BK, aus ‚Neutralen‘ und aus DC bestand.

Langrehr wurde 1904 in Wermelskirchen geboren, studierte in TĂŒbingen und MĂŒnster, war Vikar in Bethel und Hilfsprediger zuletzt in Buer-Hassel. GewĂ€hlt wurde er aus sieben Bewerbern unter Leitung des namhaften, BK-orientierten Bonner Superintendenten Ernst Rentrop. Persönlich war er eher nicht der wissenschaftliche Typ, dafĂŒr kirchenmusikalisch begabt sowie von Statur krĂ€ftig und belastbar – letzteres eindeutig ein Plus in jener Situation.

In seinem Einsatz fĂŒr die Ziele der Bekennenden Kirche blieb er unbeirrbar und wagemutig, was zwei Beispiele gut belegen. Unter seiner Leitung erklĂ€rten Presbyterium und GrĂ¶ĂŸere Gemeindevertretung fast vollzĂ€hlig am 3. Dezember 1933 ihren Austritt aus der Bewegung Deutsche Christen, ein inhaltlich bemerkenswertes Seelscheider Dokument, das wohl hart erstritten werden musste.

Und ab 1938 gehörte Langrehr zu jenen Pfarrern, die sich konsequent der Eidesleistung auf den FĂŒhrer widersetzten. Bereits im Oktober 1939 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen, kam im April 1943 nach Norwegen und fand noch im MĂ€rz 1945 den Soldatentod in Pommern. Im Fronturlaub leistete er soviel Pfarrdienst wie möglich und versuchte, das Presbyterium zusammenzuhalten. Erschwert wurde alles auch dadurch, dass die Seelscheider Gemeinde – anders als heute – noch eine der Ă€rmsten der Rheinprovinz war und ein finanzielles Bittschreiben nach dem anderen an das Konsistorium senden musste.

Langrehr stand wegen seiner mutigen Predigten wiederholt vor Gericht, nahm nichts zurĂŒck, wich nie aus und dĂŒrfte vor lauter Arbeit, Auseinandersetzung und soldatischer Belastung nur selten das GlĂŒck erfĂŒllter PfarrtĂ€tigkeit erlebt haben. Er ist in der „Ehrentafel“ der Bekennenden Kirche an prominenter Stelle in der Synodalbruderschaft Bonn verzeichnet und verdient zweifellos auch heute – als eher namenloser Streiter der Bekennenden Kirche im Kirchenkampf unserer Region – einen besonderen Platz.

 

Beitrag: Holger Weitenhagen / Carsten Schleef

EinfĂŒhrung: Kirchenkampf An Sieg und Rhein

2. Folge: Der "Kirchenkampf" in unserer Region und seine Besonderheiten

Kontakt

Sarala Christensen
Zeughausstraße 7-9
53721 Siegburg
Fon: 0 22 41 - 54 94 50
Fax: 0 22 41 - 54 94 54
oeffentlichkeitsarbeit.
ekasur@ekir.de

© 2009 Evangelischer Kirchenkreis An Sieg und Rhein | Zeughausstr. 7-9, 53721 Siegburg | Fon: 02241/5494-0 | Impressum | DatenschutzerklÀrung