Almut van Niekerk stellt sich für Präses-Wahl vor: Offensiv und einfallsreich

von Anna Neumann

14.01.2021

Als vitale Gemeinschaft mit geschärftem geistlichem Profil hat Almut van Niekerk heute die künftige Evangelische Kirche im Rheinland porträtiert - in ihrer Vorstellungsrede zur Präses-Wahl.


In ihrer Rede über ihre Vision der rheinischen Kirche in den nächsten acht Jahren machte sie auch deutlich: Die Landeskirche werde zwar weiter sinkende Mitgliederzahlen verzeichnen – aber innovativ unterwegs sein und das Evangelium in der Gesellschaft sichtbar machen.

Die Formen von Gemeinden werden vielfältiger sein, Erprobungsräume richtigerweise gefördert. Die Kirche werde ganz selbstverständlich auch „digitale Kirche“ sein, erklärte sie in ihrer Rede und betonte in der anschließenden Fragerunde, dies dürfe gern vielfältiger geschehen – bei Chat, Streaming, Instagram.

„Begegnung ist der Anfang allen Umdenkens“, erklärte Almut van Niekerk auf eine Nachfrage zum Thema internationale ökumenische Partnerschaftsbesuche.

Eine weitere Frage betraf das Themenfeld Umgang mit Geflüchteten bis hin zur Lage an den EU-Außengrenzen. Dazu betonte die Theologin, die evangelische Kirche müsse sich „laut, noch lauter“ für Geflüchtete einsetzen.

Mehrere Fragen richteten den Fokus auf die nachwachsende Generation. Entscheidend sei es, eine „Haltung zu wecken und beizubehalten, die jungen Menschen das Gefühl gibt, dass sie selbstverständlich dazugehören – und dass das keine Gefälligkeit ist“.

Als Präses will die Theologin „salopp gesagt: den Laden zusammenhalten“. Also: die kommunikative Aufgabe übernehmen, alle miteinander ins Gespräch zu bringen und gemeinsame Ergebnisse mit Nachdruck zu vertreten. „Nach meiner Erfahrung ist es vor allem Kommunikation, die es braucht, damit wir in unserer Kirche beim Wesentlichen bleiben, nämlich wer Jesus Christus für uns heute ist.“

Persönlich bringt Almut van Niekerk ein: ihren „tiefverwurzelten Glauben, der mich bisher durch manche Stürme des Lebens getragen hat“, langjährige Leitungskompetenz in Kirche und Diakonie, eine Weiterbildung als Supervisorin.

Bei großen bewegenden Themen wie Umgang mit Geflüchteten, Suizid, Inklusion, Kinderarmut müsse die Kirche „nochmal neue Anläufe nehmen mit dem Ziel, unsere Positionen noch offensiver und medial einfallsreicher zu vermitteln“, erklärte die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises An Sieg und Rhein in ihrer Rede.

In der Corona-Pandemie seien die Herausforderungen weit größer geworden. Die Kirche habe immer noch einen Platz in der gesellschaftlichen Diskussion. „Das ist eine Chance und eine Verpflichtung.“

„Wir müssen keineswegs zu allem und jedem etwas sagen“, räumte die Theologin ein, aber sehr wohl zur „ungenierten weltweiten ökologischen Zerstörung der Schöpfung“. Sie wandte sich auch gegen Alltagsrassismus, Gewalt gegen Frauen und das „konsequente Vernachlässigen der Bedürfnisse junger Menschen“. Hier müsse Kirche Position beziehen, eine wesentliche Aufgabe auch einer Präses.

Die Wahl des oder der neuen Präses der rheinischen Kirche ist für heute gegen 15 Uhr vorgesehen. Auch sie überträgt die Landeskirche live auf YouTube. Stimmberechtigt sind die 193 Mitglieder der Landessynode, des obersten Entscheidungsgremiums der rheinischen Kirche.

Weblink

Landessynode 2021